
Wein ist mehr als ein Getränk – er ist Kultur, Geselligkeit und Genuss in einem. Schon die Römer sagten „In Vino Veritas“, was so viel bedeutet wie „Im Wein liegt die Wahrheit“. Ein gutes Glas Wein lässt uns oft entspannter werden, Gespräche fließen leichter und die wahren Gedanken kommen ans Licht. Dabei bietet Wein mit seiner Vielfalt an Aromen und Charakteren die perfekte Begleitung zu besonderen Momenten oder ruhigen Abenden. Wer ihn bewusst genießt, entdeckt nicht nur die Geheimnisse des Weins, sondern vielleicht auch ein Stück eigene Wahrheit.
Doch was macht einen guten Wein aus, und wie nähert man sich dieser komplexen Welt? In diesem Beitrag möchten wir diesen Fragen auf den Grund gehen und eine Einführung in die Grundlagen der Weinkunde geben. Es handelt sich dabei um Wissen, was wir uns in den letzten Jahren selbst aufgebaut haben. Mit ein wenig Übung und Neugier wird die Welt des Weins sicherlich auch für euch schnell zu einer spannenden Reise voller Genuss und Überraschungen. Cheers! 🍷
Grundlagen der Weinkunde: Was ist Wein eigentlich?
m engeren und weinrechtlichen Sinn ist Wein ein alkoholisches Getränk, das durch die Gärung frischer Weintrauben oder von Traubenmost entsteht. Vergorene Getränke aus anderem Obst werden dagegen als Fruchtweine bezeichnet. Bekannte Beispiele sind Kirschwein, Johannisbeerwein oder Heidelbeerwein. Met wird wiederum aus Honig und Wasser hergestellt.
In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf klassischen Traubenwein. Seine Grundlage bilden spezielle Keltertrauben, die meist kleiner als Tafeltrauben sind und einen höheren Zuckeranteil, dickere Schalen und häufig mehr Kerne besitzen. Genau diese Eigenschaften sind für die Weinherstellung besonders wichtig.
Keltertrauben wachsen an mehrjährigen, verholzenden Weinreben. Weltweit existieren Tausende Rebsorten, von denen ein großer Teil zur Art Vitis vinifera gehört. Welcher Wein daraus entsteht, hängt nicht nur von der Rebsorte und dem Klima ab, sondern auch vom Boden, vom Lesezeitpunkt und von der späteren Verarbeitung im Weinkeller.
Die Welt des Weins ist faszinierend und lässt sich in verschiedene Kategorien einteilen. Die folgende Tabelle erklärt die wichtigsten Begriffe:
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Begriff |
Beschreibung |
|---|---|
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Sortenreiner Wein |
Ein Wein, der ausschließlich aus einer einzigen Rebsorte gekeltert wurde |
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Cuvée (auch: Verschnitt) |
Eine Mischung aus mehreren unterschiedlichen Rebsorten |
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Jahrgang |
Der Jahrgang bezieht sich auf das Jahr der Traubenlese |
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Jahrgangslose Weine |
Bei jahrgangslosen Weinen handelt es sich häufig um einen Verschnitt aus Weinen mehrerer Jahrgänge |
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Stillwein |
Ein Wein, dessen Kohlendioxidgehalt so gering ist, dass er weder perlt noch schäumt (CO2-Druck: 0 – 1 bar) |
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Perlwein |
Ein perlender Wein mit mittlerem Kohlendioxidgehalt (CO2-Druck: 1 – 2,5 bar) |
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Schaumwein |
Ein perlender Wein mit hohem Kohlendioxidgehalt (CO2-Druck: ab 2,5 bar) |
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Aromatisierter Wein / Wermut |
Ein Weinbauerzeugnis, das durch Kräuter, Gewürze, Aromen oder weitere Zutaten geschmacklich verfeinert wird. Wermut ist ein bekanntes Beispiel. |
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Aufgespriteter Wein / Likörwein |
Ein Wein, dessen Alkoholgehalt durch die Zugabe von Alkohol erhöht wird, beispielsweise Portwein oder Sherry. |
Hinweis
Ob sortenrein oder Cuvée, Jahrgang oder nicht – jede dieser Weinarten hat ihren eigenen Charme und passt zu unterschiedlichen Anlässen und Gerichten. Probiere dich am besten durch und entdeckt deine Favoriten!
Wie wird Wein hergestellt? Die Weinherstellung von der Traube bis ins Glas
Die Herstellungsprozesse verschiedener Weinarten unterscheiden sich teils stark voneinander. Neben der Wahl der Rebsorte(n), liegen die Unterschiede direkt nach der Weinlese hauptsächlich bei der Verarbeitungsart der Weintrauben. Zu diesem Zeitpunkt wird entschieden, ob ein Rotwein, Weißwein oder Schaumwein entstehen soll. Winzer haben zahlreiche Möglichkeiten, den Geschmack eines Weins zu beeinflussen.

Die Wahl der Rebsorte und der Anbauort (Terroir) spielen eine zentrale Rolle – Bodenbeschaffenheit, Klima und Sonnenstunden prägen die Aromen. Durch gezielte Lesezeitpunkte bestimmen Winzer den Zuckergehalt und die Säure der Trauben. In der Kellerarbeit entscheiden Faktoren wie Gärungstemperatur, der Einsatz von Holzfässern oder Edelstahltanks sowie die Dauer der Reifung über den Stil des Weins. Auch die Wahl zwischen sortenreinem Wein und Cuvée beeinflusst das Endprodukt. Dadurch entstehen Weine, die von frisch und fruchtig bis hin zu kräftig und komplex reichen.
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Arbeitsschritte |
Weinbereitung |
|---|---|
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1. Weintrauben |
Rote oder blaue Weintrauben werden verwendet. |
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2. Gärung |
Durch Zugabe von Zucht- oder Wildhefe gärt der Traubensaft zusammen mit den Schalen und Kernen. Dadurch erhält der Wein seine rote Farbe, Tannine und kräftige Aromen. |
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3. Keltern |
Sobald die Gärung abgeschlossen ist, wird der Wein gekeltert |
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4. Lagerung |
Oft erfolgt die Reifung in Holzfässern, was zusätzliche Aromen wie Vanille oder Röstaromen mit sich bringt. |
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5. Abfüllung |
Nach der Gärung und Reifung wird der Wein abgefüllt und ist trinkbereit. |
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Arbeitsschritte |
Weinbereitung |
|---|---|
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1. Weintrauben |
Weiße Trauben oder auch rote Trauben (z. B. für Blanc de Noir) werden gepresst. |
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2. Keltern |
Im Gegensatz zu Rotwein wird der Saft ohne Schalen und Kerne vergoren. Das sorgt für die klare, helle Farbe und frische Aromen. |
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3. Gärung |
Sobald die Gärung abgeschlossen ist, wird der Wein gekeltert. |
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4. Lagerung |
Weißwein wird häufig in Edelstahltanks gelagert, um seine Frische zu erhalten, kann aber auch über mehrere Monate im Holzfass reifen. |
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5. Abfüllung |
Nach der Gärung und Reifung wird der Wein abgefüllt und ist trinkbereit. |
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Arbeitsschritte |
Weinbereitung |
|---|---|
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1. Weintrauben |
Wie bei der Rotweinherstellung werden rote Weintrauben verwendet. |
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2. Mazeration |
Der Traubenmost bleibt für 4 bis 12 Stunden auf den Traubenschalen liegen, wodurch der Wein seine zarte rosa Farbe erhält. |
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3. Gärung |
Sobald die Gärung abgeschlossen ist, wird der Wein gekeltert. |
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4. Lagerung |
Weißwein wird häufig in Edelstahltanks gelagert, um seine Frische zu erhalten, kann aber auch über mehrere Monate im Holzfass reifen. |
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5. Abfüllung |
Nach der Gärung und Reifung wird der Wein abgefüllt und ist trinkbereit. |
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Arbeitsschritte |
Weinbereitung |
|---|---|
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1. Grundwein |
Zunächst werden weiße und rote Weintrauben getrennt voneinander vergoren und dann meist zu einem Cuvée vermischt. |
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2. Zweite Gärung |
Die Kohlensäure, die Schaumwein spritzig macht, entsteht durch eine zweite Gärung. Traditionell erfolgt diese in der Flasche (z. B. bei Champagner). Dazu werden Zucker und Hefe zugegeben (Liquer de Tirage), wodurch Kohlendioxid gebildet wird. |
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3. Dégorgement und Dosage |
Bei traditioneller Herstellung wird der Hefesatz entfernt (Dégorgement). Dazu werden die Flaschen über eine gewisse Zeit hinweg wiederholt gedreht, um die abgestorbenen Hefepartikel in den Flaschenhals zu befördern. Je nach gewünschtem Süßegrad des Schaumweins wird ein Zuckerzusatz (Dosage) hinzugefügt. |
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4. Verkorken und Lagerung |
Im letzten Schritt werden die Flaschen verkorkt und anschließend entweder im dunklen, kühlen Weinkeller weiter gelagert oder direkt verkauft. |
Weinprofile im Überblick: Geschmacksrichtungen, Säure & Aromen
Bei der Weinverkostung spielen fünf wesentliche Merkmale eine Rolle, die das Profil eines Weins definieren:
- Körper: Der Körper beschreibt, wie „schwer“ oder „leicht“ ein Wein am Gaumen wirkt. Leichte Weine sind frisch und filigran, während kräftige Weine vollmundig und dicht erscheinen. Der Körper wird durch Alkoholgehalt, Tannine und Extraktstoffe beeinflusst.
- Süße: Die Süße hängt vom Restzucker im Wein ab. Trockene Weine enthalten nur wenig Restzucker, während liebliche oder süße Weine spürbare Süße haben, die oft mit fruchtigen Aromen harmoniert.
- Tannine: Tannine stammen aus den Schalen, Kernen und Stielen der Trauben und sind vor allem in Rotweinen zu finden. Sie sorgen für ein trockenes, manchmal adstringierendes Gefühl im Mund und geben dem Wein Struktur und Reifepotenzial.
- Säure: Die Säure verleiht dem Wein Frische und Lebendigkeit. Weißweine haben meist höhere Säurewerte als Rotweine. Eine ausgewogene Säure sorgt dafür, dass der Wein spritzig und lebendig wirkt, ohne zu sauer zu erscheinen.
- Alkohol: Der Alkoholgehalt trägt zur Fülle und Wärme eines Weins bei. Ein höherer Alkoholgehalt verstärkt den Eindruck von Körper und Süße, während ein leichter Wein weniger „wärmend“ wirkt.
Die Balance dieser Elemente macht jedes Weinprofil einzigartig und bestimmt, wie harmonisch und angenehm ein Wein schmeckt.

Weinverkostung für Anfänger: Sehen, Riechen, Schmecken & Bewerten
Eine Weinverkostung ist ein genussvolles Erlebnis, bei dem man den Wein mit allen Sinnen erkundet. Der Prozess folgt vier Schritten: Sehen, Riechen, Schmecken und Bewerten. Mit etwas Übung, wird die Weinverkostung zur faszinierenden Reise, bei der man die Vielfalt der Aromen und Stile immer besser zu schätzen lernt. Systematische Weinproben mit einem Verkostungsbogen bieten die Möglichkeit, Weine nicht nur zu genießen, sondern auch bewusst zu analysieren und besser zu verstehen. Das strukturierte Festhalten von Aromen, Säure, Tanninen, uvm., hilft dabei, die Wahrnehmung zu schärfen, die individuellen Vorlieben zu entdecken und das eigene Weinwissen nachhaltig zu erweitern. Um dir ein Werkzeug mit an die Hand zu geben, haben wir für dich einen Verkostungsbogen zum Ausdrucken erstellt und weiter unten im Beitrag verlinkt, mit dem du auf einfache Weise deine eigene Weinprobe durchführen kannst. Eine Weinprobe zu Hause mit Freunden ist die perfekte Gelegenheit, geselliges Beisammensein mit Genuss zu verbinden. Gemeinsam könnt ihr neue Weine entdecken, Aromen vergleichen und euch über eure Eindrücke austauschen. Mit ein paar Snacks und der passenden Musik wird der Abend nicht nur lehrreich, sondern auch unvergesslich unterhaltsam!
Zunächst wird der Wein visuell analysiert. Dabei sollte das Glas vor einen neutralen Hintergrund gehalten werden, um die Farbe und Intensität des Weins zu beurteilen. Weißweine können von blassen Gelbtönen bis hin zu kräftigem Gold variieren, während Rotweine mit zunehmendem Alter orange-bräunliche Nuancen entwickeln. Auch die Viskosität des Weins, sichtbar an den sogenannten „Kirchenfenstern“ oder „Tränen“ am Glasrand, wird betrachtet. Dickere Tränen deuten meist auf einen höheren Alkoholgehalt oder mehr Restsüße hin.
Anschließend wird der Wein gerochen, um seine Aromen wahrzunehmen. Durch leichtes Schwenken des Glases werden die Duftstoffe freigesetzt. Es lassen sich drei Kategorien unterscheiden: Primäraromen, die von der Rebsorte stammen (wie fruchtige, blumige oder krautige Noten), Sekundäraromen, die während der Gärung entstehen (z. B. Hefenoten), und Tertiäraromen, die durch die Lagerung im Fass oder in der Flasche entstehen (z. B. Vanille, Tabak oder Leder).
Beim Schmecken zeigt der Wein schließlich sein volles Profil. Ein Schluck wird langsam über die Zunge gerollt, um die Balance zwischen Körper, Süße, Tanninen, Säure und Alkohol zu erkennen. Zusätzlich werden die Aromen im Mundraum erfasst – fruchtig über würzig bis zu mineralisch. Ein langer Abgang, bei dem der Geschmack noch nachklingt, ist oft ein Zeichen für einen hochwertigen Wein.
Zum Abschluss wird der Wein bewertet. Es wird zusammengefasst, wie harmonisch und ausgewogen der Wein war. Die Intensität, die Aromenvielfalt und die Länge des Abgangs spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ein guter Wein zeichnet sich durch Tiefe, Komplexität und ein angenehmes Gesamtbild aus.
Gratis Verkostungsbogen für die Weinprobe zum Download
Mit unserem Verkostungsbogen zum Ausdrucken kannst du deine Eindrücke von verschiedenen Weinen ganz einfach festhalten und vergleichen – perfekt, um deine Favoriten zu finden! Ob bei einer Weinprobe zu Hause oder mit Freunden, der Bogen hilft dir, eine strukturierte Bewertung durchzuführen.

Unsere persönliche Buchempfehlung
Einen großen Teil unseres Weinwissens haben wir uns mit der Zeit selbst angeeignet. Besonders hilfreich war für uns dabei „Der Master-Wein-Guide“ von Madeline Puckette und Justin Hammack.
Das Buch erklärt Rebsorten, Aromen, Weinregionen und die Grundlagen der Weinverkostung mithilfe vieler übersichtlicher Grafiken. Gerade am Anfang hat uns diese visuelle Aufbereitung dabei geholfen, die zahlreichen Begriffe und Zusammenhänge besser zu verstehen und Weine bewusster einzuordnen. Auch heute nutzen wir den Guide immer wieder als Nachschlagewerk.
Wenn du dein Weinwissen nach diesem Beitrag weiter vertiefen möchtest, können wir dir das Buch deshalb aus eigener Erfahrung empfehlen.
Wein richtig servieren: So entfaltet Wein sein volles Aroma
Wein dekantieren & karaffieren: Wann lohnt sich das Belüften?
Das Dekantieren von Wein ist ein wichtiger Schritt, um den Geschmack und das Aroma voll zur Geltung zu bringen. Dabei wird der Wein vorsichtig in eine Karaffe – auch Weindekanter genannt – umgefüllt, um für eine Belüftung zu sorgen. Der Vorgang hat zwei Hauptziele: Zum einen wird der Wein von Ablagerungen (Depot) getrennt, die sich vor allem bei älteren Rotweinen bilden. Zum anderen kommt der Wein durch den Kontakt mit Sauerstoff „zur Ruhe“ und entfaltet seine Aromen. Üblicherweise werden vor allem Rotweine dekantiert, da die Sauerstoffzufuhr Tannine mildert und die Fruchtaromen hervorhebt. Allerdings können auch Champagner und volle Weißweine davon profitieren. Dekantiert wird langsam und vorsichtig, am besten bei Kerzenlicht oder einer Lampe, um das Depot frühzeitig zu erkennen. So wird der Wein nicht nur optisch ansprechend serviert, sondern auch geschmacklich optimal vorbereitet.
Besonders junge, kräftige Rotweine profitieren von einer breiten, bauchigen Dekantierkaraffe, da sie eine große Oberfläche bieten und so die Sauerstoffaufnahme beschleunigen. Für ältere Rotweine und Weißweine, die schonend dekantiert werden müssen, eignen sich Karaffen mit schmalerem Hals, um den Wein vorsichtig zu handhaben.
Welches Weinglas für welchen Wein? Die passende Glasauswahl
Das richtige Weinglas spielt eine entscheidende Rolle, um das volle Aroma und den Geschmack eines Weins zu entfalten. Rotweingläser sind meist bauchiger und größer, um dem Wein mehr Kontakt mit Sauerstoff zu ermöglichen – das mildert Tannine und hebt die Aromen hervor. Weißweingläser sind schmaler und kleiner, um die Frische und Säure des Weins zu bewahren. Für Schaumweine wie Champagner eignen sich schlanke Gläser (Flöten), die die Kohlensäure länger halten und die Perlage betonen.
Die ideale Serviertemperatur für Rotwein, Weißwein & Rosé
Die Serviertemperatur hat einen großen Einfluss auf den Geschmack von Wein, da sie die Wahrnehmung von Aromen, Säure und Tanninen verändert. Kühle Temperaturen betonen die Frische und Säure des Weins, was besonders bei Weißweinen, Rosé und Schaumweinen gewünscht ist. Zu kalt serviert können jedoch feine Aromen unterdrückt werden. Bei Rotweinen mildern leicht höhere Temperaturen die Tannine und lassen die Fruchtaromen besser zur Geltung kommen. Ist der Wein jedoch zu warm, wirkt er oft alkoholisch und verliert an Balance. Die richtige Temperatur sorgt also dafür, dass der Wein sein volles Potenzial entfaltet und harmonisch schmeckt.
Rotweine entfalten ihren Charakter bei etwas höheren Temperaturen. Leichte Rotweine, wie ein Pinot Noir, sind bei 14–16 °C ideal, während kräftige Rotweine wie ein Cabernet Sauvignon, Syrah/Shiraz oder Zinfandel bei 16–18 °C genossen werden sollten.
Die Serviertemperatur hat einen großen Einfluss auf das Geschmackserlebnis von Wein. Weißweine sollten kühl serviert werden: Leichte, frische Weißweine schmecken bei 8–10 °C am besten, während vollmundigere Sorten, wie Chardonnay, bei 10–12 °C ihre Aromen optimal entfalten.
Schaumweine wie Champagner oder Prosecco schmecken besonders erfrischend bei 6–8 °C, während Dessertweine wie Portwein bei 10–12 °C serviert werden. Die Temperatur bewahrt die Frische, betont die feine Perlage und sorgt dafür, dass die Aromen klar und ausgewogen zur Geltung kommen.
Wein bewusst genießen
Wein ist ein alkoholisches Genussmittel und sollte entsprechend bewusst konsumiert werden. Nimm dir Zeit für Farbe, Duft und Geschmack und schenke lieber kleinere Mengen nach. Ein Glas Wasser zum Wein kann dabei helfen, langsamer zu trinken und ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Es hebt die Wirkung des Alkohols jedoch nicht auf.
Alkohol ist nicht für alle Menschen geeignet. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten vollständig darauf verzichten. Auch beim Autofahren und bei der Bedienung von Maschinen gilt: kein Alkohol.
Sulfite entstehen in kleinen Mengen auf natürliche Weise während der Gärung und können zusätzlich eingesetzt werden, um den Wein vor Oxidation und unerwünschten Mikroorganismen zu schützen. Rotweine benötigen aufgrund ihrer natürlichen Inhaltsstoffe häufig weniger zugesetzte Sulfite als viele Weißweine.
Offene Weine lagern: Wie lange hält sich angebrochener Wein?
Offene Weine können bei richtiger Lagerung noch einige Tage genossen werden. Der Schlüssel liegt darin, den Kontakt mit Sauerstoff zu minimieren, da dieser den Wein oxidieren lässt und die Aromen beeinträchtigt.
- Weißwein und Rosé sollten nach dem Öffnen gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Kälte verlangsamt den Oxidationsprozess, sodass sie bis zu 3–5 Tage frisch bleiben.
- Rotwein sollte an einem kühlen, dunklen Ort gelagert werden – idealerweise bei 12–16 °C. Auch er kann im Kühlschrank aufbewahrt und vor dem Trinken leicht erwärmt werden.
Vakuumpumpen oder spezielle Verschlüsse helfen, Sauerstoff aus der Flasche zu entfernen und die Haltbarkeit zu verlängern. Für Schaumweine empfiehlt sich ein spezieller Sektverschluss, der die Kohlensäure bewahrt. So bleibt der offene Wein länger genussbereit.

Wein einkellern: Tipps zur richtigen Weinlagerung zu Hause
Wer Weinflaschen langfristig lagern möchte, sollte auf optimale Bedingungen achten, damit der Wein seine Qualität behält oder sogar verbessert. Ein idealer Weinkeller bietet eine konstante Temperatur von 10–14 °C, denn starke Temperaturschwankungen schaden dem Wein. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle: Etwa 60–70 % verhindern, dass Korken austrocknen und Luft in die Flasche gelangt. Wein sollte zudem liegend gelagert werden, damit der Korken feucht bleibt und die Flasche dicht verschlossen ist. Dunkelheit ist ebenfalls wichtig, da Licht die Aromen beeinträchtigen kann. Erschütterungen sollten vermieden werden, da sie die Reifung stören. Unter diesen Bedingungen können hochwertige Weine über Jahre hinweg reifen und ihre vollen Aromen entwickeln. Da die meisten keinen eigenen Weinkeller zu Hause haben, gibt es auch spezielle Weinkühlschränke, die für die optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgen.
Food Pairing Spickzettel
Damit du beim Kochen oder Einkaufen nicht lange grübeln musst, haben wir unser Food-Pairing-Wissen für dich in einem praktischen Spickzettel zusammengefasst. Von spritzigem Schaumwein über frische Weißweine bis hin zu vollmundigem Zinfandel und süßen Dessertweinen: In dieser Übersicht findest du auf einen Blick, welcher Wein dein Gericht am besten ergänzt. Speichere dir die Tabelle am besten ab oder nutze sie als schnelle Orientierung für deinen nächsten Kochabend!
| Geschmacksnote & Speise | Passende Weine | Erklärung |
|---|---|---|
| Frittiertes, Salziges & Aperitifs Fingerfood, Sushi, frittiertes Gemüse, Meeresfrüchte | Schaumweine Prosecco, Cava, Deutscher Sekt, Champagner | Die Kohlensäure und die frische Säure schneiden durch Fett und Salz und neutralisieren den Gaumen nach jedem Bissen. |
| Frische Salate, Ziegenkäse & Kräuter Sommersalate, Vinaigrette, Ziegenkäse, Spargel | Leichte, spritzige Weißweine Sauvignon Blanc, Grüner Veltliner, Pinot Grigio, Trockener Riesling | Säure verträgt sich mit Säure: Der Wein geht neben essighaltigen Dressings oder Zitronensaft nicht unter und betont frische Kräuter. |
| Cremige Saucen, Risotto & Geflügel Sahnesaucen, helle Pilzsaucen, Lachs, Hähnchen | Kräftige, schmelzige Weißweine Chardonnay (im Holzfass gereift), Viognier, Weißburgunder | Der Körper und der Schmelz des Weins spiegeln die reichhaltige Textur cremiger Saucen wider, ohne von ihnen erdrückt zu werden. |
| Scharfe Currys & Aromatische Asien-Gerichte Thai-Curry, Schärfe, süß-saure Gerichte | Halbtrockene & Aromatische Weißweine Feinherber Riesling, Gewürztraminer, Scheurebe | Das dezente Zuckerpolster mildert die Schärfe am Gaumen ab. Hoher Alkohol oder starke Tannine würden die Schärfe sonst unangenehm verstärken. |
| Sommerliche Tapas, gegrilltes Gemüse & Pasta Mediterranes Ofengemüse, leichte Salate | Roséweine Provence Rosé, Grenache Rosé, Spätburgunder Rosé | Bietet die Frische eines Weißweins kombiniert mit den leichten Beerenaromen eines Rotweins – der perfekte Allrounder für die Sommerküche. |
| Pilzgerichte, Geflügel & gebratener Lachs Erdige Aromen, Umami, feines Fleisch | Leichte, elegante Rotweine Spätburgunder (Pinot Noir), Gamay | Geringe Tannine überdecken feine Speisen nicht. Die erdigen, waldigen Noten von Pinot Noir passen exzellent zu Pilzen und Umami. |
| Tomatenpizza, Lasagne & Pasta Arrabbiata Fruchtige Tomatensaucen, Ofengerichte | Mittelschwere Rotweine Sangiovese (Chianti), Barbera, Merlot | Tomaten enthalten viel Fruchtsäure. Ein säurebetonter roter Italian-Klassiker harmoniert damit, ohne flach oder sauer zu wirken. |
| BBQ, Burger, Schmorgerichte & reifer Käse Gegrilltes Fleisch, deftige Rauch- & Röstaromen | Kräftige, vollmundige Rotweine Zinfandel (Primitivo), Cabernet Sauvignon, Syrah/Shiraz, Malbec | Hohe Tannine binden Fett und Eiweiß. Die opulente, dunkle Beerenfrucht von Zinfandel oder Syrah ist der ideale Gegenspieler zu krossen Röstaromen. |
| Schokoladen-Desserts, Beeren & Blauschimmelkäse Schoko-Mousse, Tartes, Gorgonzola, Stilton | Süß- & Likörweine Portwein, Sauternes, Eiswein, Beerenauslese | Die Grundregel lautet: Der Wein muss mindestens so süß sein wie das Dessert. Ein zu trockener Wein würde neben Süßspeisen bitter schmecken. |
Unser Extra-Tipp: Ist Wein eigentlich immer vegan?
Auf den ersten Blick scheint die Antwort glasklar zu sein: Wein besteht schließlich aus rein pflanzlichem, vergorenem Traubensaft. Dennoch ist nicht jeder Wein im Supermarkt oder Fachhandel automatisch vegan. Das liegt nicht an den Trauben selbst, sondern am Prozess der sogenannten Schönung (Klärung) im Keller.
Damit der Wein im Glas später strahlend klar ist und keine Trübstoffe mehr enthält, setzen viele traditionelle Weingüter tierische Bindemittel ein. Dazu gehören beispielsweise Gelatine, Kasein (Milcheiweiß) oder Hühnereieiweiß. Diese Stoffe binden die Trübstoffe an sich und sinken an den Boden des Fasses. Obwohl sie am Ende wieder herausgefiltert werden, kommen sie im Herstellungsprozess zum Einsatz – und müssen meist nicht einmal auf dem Etikett deklariert werden.
Die gute Nachricht: Immer mehr Winzer steigen auf pflanzliche oder natürliche Alternativen um!
Worauf wir beim Einkauf achten:
- Pflanzliche Klärmittel: Moderne Weingüter nutzen zur Klärung Tonerde (Bentonit), Erbsen- oder Kartoffelproteine. Manche lassen dem Wein auch einfach mehr Zeit, damit sich die Trübstoffe von ganz allein absetzen (unfiltrierter Wein).
- V-Label und Vegan-Kennzeichnung: Achte auf das V-Label oder auf den ausdrücklichen Hinweis „vegan“ auf dem Etikett. Ein Bio-Siegel allein garantiert dagegen nicht, dass bei der Klärung des Weins vollständig auf tierische Hilfsmittel verzichtet wurde.
- Gut zu wissen: Immer mehr Weinhandlungen und Online-Shops bieten mittlerweile eigene Filter für vegane Weine an – so findest du ruckzuck die passende Flasche für euren nächsten Kochabend!
Wein-Mythen aufgedeckt: Was wirklich stimmt (und was nicht)
In der Welt des Weins halten sich manche Regeln erstaunlich hartnäckig. Doch viele dieser vermeintlichen Weisheiten sind längst veraltet oder schlichtweg falsch! Wir haben die 6 bekanntesten Wein-Mythen für dich unter die Lupe genommen und machen den Faktencheck.
„Rotwein trinkt man immer bei Zimmertemperatur.“
Die Wahrheit: Das stammt aus ungeheizten Räumen von früher. In modernen Wohnungen (21–23 °C) ist Rotwein schlicht zu warm – die Hitze lässt den Alkohol zu stark hervortreten.
„Rotwein gehört zu Fleisch, Weißwein zu Fisch.“
Die Wahrheit: Zubereitung, Sauce und Würze entscheiden! Ein kräftiger Chardonnay im Holzfass passt hervorragend zu Hähnchen, während ein Pinot Noir super zu gegrilltem Lachs harmoniert.
„Weine mit Schraubverschluss sind minderwertig.“
Die Wahrheit: Der Schraubverschluss schützt vor dem gefürchteten Korkfehler (muffiger Geschmack) und hält frische, fruchtige Weiß- und Roséweine perfekt knackig.
„Je älter ein Wein ist, desto besser schmeckt er.“
Die Wahrheit: Über 90 % aller weltweit produzierten Weine sind für den jungen Genuss gemacht (innerhalb von 1–3 Jahren). Nur sehr wenige Weine gewinnen durch jahrelange Lagerung.
„Ein Silberlöffel hält Sekt und Prosecco spritzig.“
Die Wahrheit: Ein Ammenmärchen: Der Metalllöffel kann das Entweichen der Kohlensäure im Kühlschrank wissenschaftlich nachweisbar nicht stoppen.
„Je mehr Schlieren am Glasrand, desto besser ist der Wein.“
Die Wahrheit: Diese sogenannten „Kirchenfenster“ zeigen lediglich einen höheren Alkohol- oder Restsüßegehalt an – sie sind aber keineswegs ein Qualitätsmerkmal.
Häufig gestellte Fragen (FAQ):
Was bedeutet „trocken“, „halbtrocken“ und „lieblich“ bei Wein genau?
Die Begriffe beschreiben den Restzuckergehalt des fertigen Weins. Als trocken gelten Weine mit höchstens 4 Gramm Restzucker pro Liter. Bis zu 9 Gramm pro Liter sind zulässig, wenn der Restzuckergehalt den Gesamtsäuregehalt um höchstens 2 Gramm pro Liter übersteigt. Halbtrockene Weine dürfen normalerweise höchstens 12 Gramm Restzucker pro Liter enthalten. Bis zu 18 Gramm sind möglich, wenn der Restzuckergehalt maximal 10 Gramm über dem Säuregehalt liegt. Die häufig verwendete Bezeichnung „feinherb“ ist rechtlich nicht definiert. Geschmacklich liegen feinherbe Weine meist zwischen halbtrocken und leicht lieblich.
Ist teurer Wein automatisch qualitativ besser?
Nein, der Preis sagt nicht zwingend etwas über deinen persönlichen Geschmack aus. Höhere Preise entstehen meist durch aufwendigere Lese per Hand, Ertragsreduzierung im Weinberg oder die Reifung in teuren Eichenholzfässern (Barrique). Für den Alltag und das Food-Pairing im Eigenheim gibt es im Bereich von 6 bis 12 Euro bereits hervorragende, handwerklich gemachte Weine von unabhängigen Winzerbetrieben.
Was sind Tannine im Wein und wie schmecken sie?
Tannine sind natürliche Gerbstoffe, die vor allem aus den Schalen und Kernen roter Trauben (oder aus dem Holzfass) stammen. Du spürst sie als leicht zusammenziehendes, trockenes Gefühl am Zahnfleisch und auf der Zunge (ähnlich wie bei zu lange gezogenem schwarzem Tee). Bei fett- oder proteinreichen Gerichten sind Tannine ideal, da sie durch das Fett abgemildert werden.
Kann man Wein zum Kochen verwenden, wenn er offen stand oder gekorkt hat?
Wenn Wein nach einigen Tagen im Kühlschrank leicht oxidiert ist (leicht nach Apfelessig riecht), kannst du ihn meist noch problemlos zum Ablöschen von Saucen oder für Schmorgerichte nutzen. Hat der Wein jedoch einen echten Korkfehler (schmeckt nass-kartoniert und muffig), gehört er nicht mehr in den Topf. Der fehlerhafte Geschmack überträgt sich 1:1 auf dein Gericht.
Was tun, wenn der Korken beim Öffnen abbricht oder krümelt?
Keine Panik: Setze den Korkenzieher leicht schräg an der verbliebenen Masse an und ziehe ihn langsam heraus. Sollten doch Krümel im Wein landen, gieße den Wein einfach durch ein feines Küchensieb oder einen Papier-Kaffeefilter in eine Karaffe. Dem Geschmack schadet das nicht.
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